Jährlich verbrennen weltweit zehntausende Quadratkilometer (qkm) Wald, Buschwerk, Savanne, aber auch stark verstädterte „Natur“ wie großflächige Urlaubsgebiete „im Grünen“ (u.a. Kalifornien, Griechenland) und riesige industriell bewirtschaftete Baumplantagen (Nadelhölzer, Pinienarten, Eukalyptus, Pappeln, Mahagoni…). Die großen, oft kaum löschbaren Feuer scheinen zuzunehmen und es brennt global in Gebieten, wo es früher auf diese Weise nicht gebrannt hat. Fachleute sagen: Auf der Welt brennt es seltener, doch habe der Klimawandel den Charakter der Feuer dramatisch verändert: flächenmäßig erheblich zunehmend, schneller in der Ausbreitung und vor allem unberechenbarer. Da es tendenziell heißer und trockener wird, flankiert von kräftigen Winden, Sturmböen und Hitzewellen, geraten immer öfter (Wald-) Brände außer Kontrolle. Resultat der Erderwärmung ist eine dramatische Zunahme der Brände und Brandflächen. Weltweit am schnellsten erwärmen sich die borealen Nadelwälder, ein breites (Nadel-) Waldband, das sich rund um die nördliche Halbkugel erstreckt. Diese Zone verlagert sich nachweislich weiter nach Norden, weil es südlich zu warm wird.
„Brände, die sich unter extremen Klimabedingungen entwickeln, lassen sich häufig gar nicht mehr aufhalten.“ (Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage, „Wie sich Waldbrände weltweit verändern“, SZ 5.9.2025).
Dem Europäischen Waldbrandinformationssystems EFFIS zufolge setzten die Waldbrände im Jahr 2025 (Stand: Ende August 2025) 38 Millionen Tonnen Kohlendioxid frei - ein Rekord des CO2-Ausstoßes durch Waldbrände, der 0,1% des globalen jährlichen CO2-Ausstoßes ausmacht.
Zwar speichern alle Pflanzen das Klimagas CO2 – die Flammen aber setzen es wieder frei. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat es z.B. in Portugal so viel gebrannt, dass die Wälder mehr CO2 in die Atmosphäre freigegeben als gespeichert haben.
Darüber hinaus wird über die massenhafte Verarbeitung von Nadelhölzern, Pappeln, Eukalyptus u.a. in der Zellstoffproduktion das in den Bäumen gebundene CO2 wieder in die Atmosphäre freigeben.
Wissenschaftler vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage warnten 2025 vor einer dramatischen Zunahme unkontrollierbarer Brände: Ab einer Erderwärmung von zwei Grad Celsius könnten die Waldbrände in Europa einen „Kipppunkt“ überschreiten. Die Waldbrandepochen würden sich dann verlängern und die Kosten für die Bekämpfung der Feuer unermesslich steigen. In Südeuropa könnte die Wahrscheinlichkeit für katastrophale Landschaftsbrände sogar um das Zehnfache steigen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt der UN-Weltklimarat. (Oder: ARD, 26.5.26; https://www.tagesschau.de/ausland/europa/hitze-rekorde-mai-grossbritannien-frankreich-100.html)
Einige wenige Beispiele:
Im sog. „Schwarzen Sommer“ von Herbst 2019 und Januar 2020 in Australien, hinterließen verheerende Brände in einer bis dahin nicht bekannten Dimension ihre schwarzen Spuren. Im Südosten, einer gemäßigten Laubwaldregion vernichteten die Feuer 215.000 qkm, fast ein Viertel der Waldfläche. Zweimal die Fläche Portugals oder mehr als ein Drittel der Iberischen Halbinsel wurden in diesen 4-5 Monaten zerstört.
In Kanada vernichteten 2023 kaum übersehbare Feuer etwa 5% der Waldfläche dieses riesigen Landes. Um die 200.000 Einwohner mussten evakuiert werden. Neben den kaum zu beziffernden Schäden im Land selbst wurde die einwohnerreiche Ostküste der USA tagelang in gesundheitsgefährdenden Qualm gehüllt.
Griechenland erlitt im Jahr 2023 den größten je in der EU erfassten Waldbrand: Nahezu 1000 qkm (Berlin 890 qkm) wurden in Alexandroupolis im Nordosten des Landes Opfer der Feuersbrünste. Tagelange Hitzewellen von 37 bis 43 Grad, noch verstärkt durch den Zustrom heißer Luftmassen aus Afrika, haben diesen explosiven Zustand hervorgerufen. Eine Studie der „World Weather Attribution Initiative“ zu diesen Hitzewellen kommt zu dem Ergebnis, dass diese Höchsttemperaturen in Südeuropa ohne globale Erwärmung „so gut wie unmöglich“ gewesen wären. Nach den neuesten Daten des Europäischen Waldbrand-Informationssystems (EFFIS) wurden durch Satellitenüberwachung im Jahr 2025 insgesamt 7.783 Waldbrände in den 27 Mitgliedstaaten registriert. Mehr als eine Million Hektar verbranntes Land machten das Jahr 2025 zu Europas schlimmstem Waldbrandjahr seit es Satellitendaten gibt.
Besonders hervorzuheben sind in der EU Portugal und Spanien mit etwa der Hälfte der in der EU verbrannten 1,07 Millionen Hektar (10.700 qkm). Allein in Portugal wurden im vergangenen Jahr 2025 999 Brände registriert, die eine Fläche von 284.012 Hektar (2840 qkm oder fast drei Prozent der Fläche Portugals) verwüsteten, von denen mehr als 51.000 ha (510 qkm) in Schutzgebieten lagen.
Bekannte Faktoren, die Eukalyptusanpflanzungen anfälliger für Brände machen:
Monokultur: Die Bepflanzung großer Flächen mit einer einzigen Baumart wie Eukalyptus bietet keine natürlichen Barrieren wie Täler oder verschiedene Waldarten, wodurch sich Brände schnell und kontinuierlich ausbreiten können.
Entzündbares Material/fehlende Bewirtschaftung der Plantagen: In Eukalyptuswäldern, insbesondere in schlecht bewirtschafteten, vernachlässigten oder verlassenen (Stichwort: Entvölkerung des Landesinnern), sammelt sich entzündbares organisches Material wie trockene Blätter, Rinde und Äste auf dem Boden an. Also: ´Pulverfässer`.
Entflammbarkeit: Eukalyptus ist eine Baumart, die aufgrund der chemischen Eigenschaften des Laubs und des von ihr produzierten Harzes leichter und intensiver brennt als andere.
Fehlende (natürliche) Schutzvorrichtungen: bspw. Zwischen- und Randbepflanzung mit (Kork-) Eichen u.a. schwer entzündbaren Bäumen. Oder effektive Brandschneisen, die in der Breite etwa das Doppelte der Baumhöhe messen müssen. Bei 10-15 m Höhe der Eukalyptusbäume also Schneisen zwischen 20 und 30 Meter. (Bei Bepflanzungen von 1200 – 1600 Eukalyptus pro Hektar würde also durch die Brandschneisen viel verloren gehen - zu viel; somit existieren sie kaum).
Klimatische Bedingungen: Trockenzeit mit geringer Luftfeuchtigkeit, höchste Temperaturen und starke Winde sind ein ideales Szenario für die Entstehung und rasche Ausbreitung von (Wald-) Bränden, die in Gebieten mit hoher Eukalyptuskonzentration unkontrollierbar werden Feuerursachen
Die Hauptursachen für Brände in Portugal sind der fahrlässige Umgang mit Feuer ca. 40% (wie unkontrollierte Verbrennungen oder Grill- und Lagerfeuer, aus dem Auto entsorgte glimmende Zigaretten…), Brandstiftung (ca. 30%, aber mehr als 50% verbrannter Fläche) und, in sehr geringem Maße, natürliche Ursachen (wie Trockenblitze).In Portugal wurden 2025 weit über hundert vermutliche Brandstifter festgenommen, 60 davon kamen in Untersuchungshaft, eine beachtliche Steigerung zu vergangenen Jahren. In Griechenland wurden 2025 über 300 Personen wegen Brandstiftung festgenommen
Eukalyptus Globulus ist weltweit eine wesentliche Säule der Zellstoffproduktion, woraus dann Papier, Kartons und (Einweg-)Verpackungen, inzwischen auch Textilien und Hygieneartikel u.v.a.m. hergestellt werden. So wie der globale Hunger nach Zellstoff rasant wächst, so schnell wächst der Unmengen an Wasser verbrauchende Eukalyptus. Mit seinem riesigen und tiefreichenden Wurzelsystem gibt es kaum einen aggressiveren Grundwasser- und Nährstoffverbraucher als den Eukalyptus, der aus diesem Grund in seinem Umkreis auch keine Gesellungspflanzen hat. Von den unzähligen verbrannten kleinen und größeren Tieren spricht kaum jemand.
Neben der Wasser- und Landvernutzung, neben der Verdrängung anderer Pflanzen und Kulturen durch unendliche Plantagen ist der Eukalyptus, genauer: die Eukalyptusindustrie, hauptverantwortlich für die gigantischen Brände, die inzwischen beinahe jährlich hunderte qkm in Portugal zerstören
Georg Franzky Cabral
ALSO
Rosa Luxemburg Stiftung