Deutsche: Raus aus den Karnickel-Löchern … oder besser rein?
Die Warnungen vor dem Zusammenbruch des deutschen Rentensystems überschlagen sich gerade
mal wieder. Zu viele Alte, zu viele Boomer, zu viele Frührentner und Lifestyle-Fetischisten, die sich
– uneinsichtig der nahenden Katastrophe gegenüber – beharrlich dagegen verwehren, auch mit über
70 noch andere Alte aufs Pflegebett zu stemmen. Zu wenige junge Arbeitskräfte, die nicht einsehen,
mit steigenden Abgaben auf ihre Löhne den Boomern ihren ausschweifenden Luxuslebensabend auf
Kreuzfahrtschiffen zu finanzieren.
Das deutsche Rentenversicherungssystem wird also ungerecht und nicht mehr finanzierbar?
Seit 20 Jahren sind die Rentenbeiträge allerdings nicht gestiegen, sie wurden von 2010 bis 2018
sogar von 19,9 auf die heutigen 18,6 Prozent gesenkt. Und der Anteil der Beitragszahlungen im
Verhältnis zum Bruttosozialprodukt ist seitdem auch nicht gestiegen. Und auch vor 20 Jahren lagen
die Crystal-Ball-Experten mit dem besorgten Hans-Ferner-Sinn-Blick aus den abgedunkelten
Chefetagen der Wirtschaftsweitblickinstitute falsch mit ihren Prognosen über den Untergang der
gesetzlichen Rentenversicherung aufgrund der fortschreitenden Vergreisung der deutschen
Gesellschaft.
Diese ist allerdings zum Leidwesen bekennender Deutscher Fakt. Und zu ihrem noch größeren
Leidwesen konnte der prognostizierte Zusammenbruch der Rentenversicherung bis heute genau
durch das verhindert werden, was sie noch mehr fürchten als ihr eigenes Aussterben: Zuwanderung
aus anderen Ländern.
Ein echtes Dilemma: Zuwanderung von mindestens 400.000 Arbeitskräften pro Jahr oder Schluss
mit Wohlstand, Grillfest und Pflegeheim. Aber die Entscheidung ist bekanntlich gefallen: Migration
ist die Mutter aller Probleme. Und was den verhassten Zugewanderten so gern in den Mund
geschoben wird, kommt nun als fehlgeleitete Blähung aus den wiederkäuenden Söder-, Dobrindt-
und AfD-Mäulern: Ich f… deine Mutter! So wird an den deutschen Grenzen entgegen aktueller
Rechtsprechung aussortiert und abgewiesen, was nicht sofort als blond und blauäugig gelesen wird,
die letzten noch fleißig arbeitenden Billiglöhner und Auszubildenden werden nächtens aus ihren
Betten gerissen und abgeschoben und den verbleibenden migrantischen Menschen wird hinter
höflich vorgehaltener Hand oder gleich mit dem Baseballschläger signalisiert, dass sie hier nicht
willkommen sind.
Was also tun, um ohne Zuwanderung den Kollaps der geliebten imperialen Lebensweise samt
gesichertem Lebensabend zu verhindern? Da springt den verzweifelt nach gut verkaufbaren, aber
bloß nicht bei den Reichen eingreifenden, Reformern die Tatsache ins Auge, dass zusätzlich zur
sinkenden Geburtenrate die Bedrohung des Wohlstands – neben der durch sozialschmarotzende
Geflüchtete – von der steigenden Lebenserwartung vor allem der Boomer ausgeht: eine wachsende
Reservearmee deutscher Tattergreise! Was an der industriellen Reservearmee der Arbeitslosen in
leidvollen Jahrzehnten mit dutzenden Arbeitsmarktreformen als „Aktivierung“ mehr oder weniger
erfolgreich abgeperlt ist, könnte doch vielleicht bei den Alten funktionieren: Aktivrente! Längere
Lebensarbeitszeit!
Weil aber die Macher wohl selbst ahnen, dass trotz der rasanten Fortschritte deutsche
Nachwuchsarbeitskräfte sobald nicht aus dem 3-D-Drucker stolzieren, und ihr Gesetz zur
„Stabilisierung des Rentenniveaus“, das „zweite Betriebsrentenstärkungsgesetz“ und das
„Aktivrentengesetz“ kaum den 70-jährigen Dachdecker zum Datentraining beim KI-Start-Up, die
69-jährige Bauingenieurin zur Fortbildung für Auto-Cad mit VR oder die 72-jährige Altenpflegerin
fürs Umbetten zum Tragen eines Exo-Skeletts zu bewegen sein werden, wird die grandios
gescheiterte Riester-Rente neu verpackt. Zum „Fortschritt in allen 3 Säulen der Altersvorsorge“
gehört deshalb zukünftig die Stärkung der privaten kapitalgedeckten.
Genial. Bis 2031 bleibt die gesetzliche Rente bei der „Haltelinie“ von 48 Prozent des Bruttolohns
und fehlende Beiträge werden aus Steuermitteln ergänzt. Parallel sollen die Arbeitenden für ihre
Altersvorsorge einen Teil ihres Einkommens auf dem Kapitalmarkt investieren. Ein Schelm, wer
nun denkt, dass es ab 2031 vorbei ist mit Haltelinien, ergänzender Steuerfinanzierung und die
gesetzliche Rente nur soviel auszahlen wird, wie auch eingezahlt wurde. Risiko? Nichts ist ohne!
Egal, Finanzkrisen, Börsencrashs, Inflation – wie heißt es so schön: Altern ist nichts für Feiglinge!
Das bisschen Drittel der Bevölkerung, das schon steigende Mieten und Lebensmittelpreise tapfer
wegsteckt, sich keine Woche Urlaub mehr im Jahr leisten kann, und die Kinder nicht zum
Gymnasium schickt, weil das zu teuer wird oder sie dort sowieso ausgesiebt werden, wird natürlich
voller Zuversicht für die Altersvorsorge die leider nicht vorhandene üppige Erbschaft brav in Raten
bei der geliebten Postbank einzahlen – um nach ca. 30 Jahren inflationsbereinigt und nach Abzug
der Gebühren nur geringfügig weniger als eingezahlt herauszubekommen. Vorausgesetzt, der
Erlebensfall tritt ein. Bekanntlich leben Arme nicht so lange. Und ausnahmsweise wird es 30 Jahre
lang mal keine Finanzkrise geben. Ist in diesen Zeiten auch kaum zu erwarten.
Aber es gibt vielleicht doch noch einen Ausweg: Wenn die junge Generation Z+ ab sofort anfängt
wie die Karnickel deutschen Nachwuchs zu zeugen, könnte in 25 bis 30 Jahren unsere Rente wieder
sicher sein …
Erna Schmitz