„Das Alte stirbt und das Neue kann nicht zur Welt kommen: Es ist die Zeit der Monster.“

Antonio Gramsci

Unter dem Titel „Das Monster reiten – Raus aus der Vielfachkrise, rein in die solidarische Zukunft“ fand die diesjährige Attac-Sommerakademie vom 10. bis 12. Juli 2026 in Frankfurt am Main statt. Im Fokus standen Wege aus der Vielfachkrise (Klimawandel, soziale Ungerechtigkeit, Finanzmärkte).

Diskutiert wurden: Veränderungen der Welthandelsbeziehungen sowie die Gestaltung ausbeutungsfreier Nord-Süd-Beziehungen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Finanzinstitutionen. Beleuchtet wurden Finanzierungsfragen auf verschiedenen Ebenen z. B. in der neuen Debatte um demokratische Wirtschaftsplanung und bezogen auf die Weltwirtschaft die Internationale Finanzarchitektur (IFA). Mehrere Veranstaltungen widmeten sich Konzepten zur Vergesellschaftung, und dem Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge. Schließlich ging es um „Eine Geschlechts- (und klassen-) lose Gesellschaft“ auf der Grundlage einer materialistisch-queerfeministischen Theorie und Utopie.

Alle Veranstaltungen widmeten sich nach einem Aufriss der Problemlage der Frage:  Wie sehen strategische Möglichkeiten für die Zukunft aus? Wie bauen wir den Bereich der öffentlichen Versorgung aus? Ziel des Treffens war es nicht nur, gesellschaftliche Bruchlinien zu analysieren, sondern konkrete Strategien für eine emanzipatorische sozial-ökologische Transformation zu entwickeln und neue Allianzen zu schmieden.

Auf dem Schlussplenum diskutierten Markus Wissen, Sabine Nuss, Boniface Mabanza Bambu und Nafi Hamukoshi die Frage, wie globale Ungleichheiten überwunden werden können – und welche Rolle Eigentum, internationale Wertschöpfungsketten und demokratische Kontrolle zentraler Infrastrukturen dabei spielen. Forderungen für eine solidarische Zukunft:

1. Gerechte Weltfinanzordnung
  • Märkte beschränken: Strikte Regulierung internationaler Finanzmärkte und Eindämmung von Spekulationen.
  • Vermögen umverteilen: Einführung einer progressiven Vermögenssteuer für Superreiche („Tax the Rich“) zur Finanzierung des gesellschaftlichen Wandels.
  • Finanzinstitutionen demokratisieren: Umbau von Banken und globalen Institutionen hin zu einem gemeinwohlorientierten, umweltverträglichen Wirtschaften.
2. Ausbau der öffentlichen Daseinsvorsorge
  • Profitverbot für Grundbedürfnisse: Kompletter Entzug von kritischer Infrastruktur (Gesundheit, Wohnen, Energie) aus der Profitwirtschaft.
  • Vergesellschaftung: Überführung von Schlüsselindustrien und Wohnkonzernen in demokratisch kontrolliertes Gemeineigentum.
  • Klimagerechte Mobilität: Massiver, ticketfreier Ausbau des ÖPNV im Rahmen der Attac-Kampagne einfach.umsteigen zur drastischen Reduzierung des Autoverkehrs.
3. Dekoloniale Nord-Süd-Beziehungen
  • Ausbeutung stoppen: Abbau neokolonialer Handelsstrukturen und unfairer Lieferketten zugunsten von globaler Solidarität.
  • Ressourcengerechtigkeit: Anerkennung ökologischer Schulden des globalen Nordens und faire Kompensationszahlungen für Klimaschäden im globalen Süden.
4. Gesellschaftliche Emanzipation und Care-Arbeit
  • Care-Revolution: Aufwertung und gerechte Aufteilung von Pflege-, Erziehungs- und Sorgearbeit, losgelöst von kapitalistischer Verwertung.
  • Überwindung von Diskriminierung: Schaffung von Gesellschaftsstrukturen, in denen Herkunft, Klasse und Geschlecht keine Rolle mehr für Lebenschancen spielen.