Kriege beschleunigen den Klimawandel durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Doch genaue Angaben, beispielsweise zur Erhöhung des kriegsbedingten Ausstoßes von CO2-Äquivalenten, sind kaum öffentlich zugänglich und, falls vorhanden, oft widersprüchlich. Im Kyotoprotokoll 1997 wurde die Erfassung der Militäremissionen explizit ausgeschlossen, aufgrund der Intervention der USA.

Im Pariser Abkommen 2015 wurden zwar freiwillige Angaben über die kriegsbedingten Treibhausgasemissionen erlaubt, was aber bis heute kaum erfolgt ist.

Schätzungen der kriegsbedingten Treibhausgasemission belaufen sich auf maximal 5,5 % der weltweiten Emissionen (Nov 2022). Das entspricht einem CO2-Fußabdruck, der größer ist als der von Russland im Jahr 2022. Würde man das weltweite Militär als Nation betrachten, wäre es damit der viertgrößte Emittent weltweit. Die aktuelle Berichterstattung an die Vereinten Nationen erfasst aufgrund bestehender Richtlinien und freiwilliger Offenlegung weniger als ein Zehntel der tatsächlichen Emissionen. Die Emissionen sind so hoch, weil durch das eigentliche Kriegsgeschehen Schäden entstehen, die weitere CO2 -Emissionen zur Folge haben. So bleiben 90 % der Treibhausgasemissionen aus militärischen Konflikten unkontrollierbar.

Auch steigende Militärausgaben in Aufrüstung, Manöver etc. erhöhen die CO2 -Emissionen erheblich. Allein die NATO-Aufrüstung von Frankreich und Deutschland von 2 % auf 3,5 % des BIP erhöht den CO2-Ausstoß um 38 bzw. 65 Millionen t CO2-Äquivalente (das entspricht 10 % der deutschen Jahresemissionen).

Obwohl es zurzeit 89 Kriege in 31 Ländern gibt, stehen hier die Kriege in der Ukraine, im Gaza und im Iran im Fokus. Aus der folgenden Tabelle kann man entnehmen, dass diese drei Kriege sich in den CO2-Emissionen, die bei der Vorbereitung des Krieges (z. B. Bau/Beschaffung von Kriegsmaterialien), beim direkten Kriegsgeschehen (z. B. durch Panzer/Raketen, sowie Brände) und in der Folge des Krieges entstehen (z.B. durch zerstörte Ökosysteme, durch Wiederaufbau), unterscheiden:

CO2-Emissionen vor, während, und in Folge des Krieges 
Zum Vergleich: Jährlicher CO2-Ausstoß in Deutschland 2024: 649 Mio. t

  Ukraine Gaza Iran
Vorbereitungen zum Krieg +(+) + +
Direkter Krieg

++
311 Mio. t in den ersten 4 Jahren

+
31,4 Mio. t bis 6/2025

+
Schätzung: 5 Mio. t in 14 Tagen

Kriegsfolgen +++ 33 Mio. t für Wiederaufbau +++

 

Wie der Tabelle zu entnehmen ist, liegen konkrete Daten hauptsächlich zum direkten Kriegsgeschehen vor. Die Kriegsfolgen hinsichtlich klimatischer Verschärfungen sind so komplex und umfangreich, dass konkrete Angaben nicht möglich sind. Für den Ukrainekrieg ist es jedoch möglich, Treibhausgasemissionen verschiedenen Sektoren zuzuordnen. Nur 37% der Gesamtemissionen gehen auf direkte militärische Aktionen zurück.

Abb.1: Aufteilung der Treibhausgasemissionen im Ukrainekrieg bis 6/2025

 

Die Auswirkungen der Treibhausgasemissionen sind bei den Kriegsfolgekosten am gravierendsten. In Abb.2 sind Bereiche dargestellt, die hiervon betroffen sind.

Abb.2: Kriegsfolgekosten durch militärbedingte Treibhausgasemissionen

Im Folgenden werden mittel- und langfristige Klimaeinwirkungen beschrieben. Hierzu gehören unter anderem:

Flucht 

Auswirkungen von Flucht und Vertreibung sind schwer erfassbar, da die Erhebung von Daten aufgrund der vielfältigen Formen von legaler und illegaler Migration schwierig ist. Allein Ukrainische Flüchtlinge verursachten zwischen Februar und Oktober 2022 schätzungsweise Treibhausgase in Höhe von 1,3 Millionen Tonnen CO2. 

Transport- und Reiseumleitungen

Während der aktiven Phase des Konfliktes im Gazastreifen mussten alternative Schiffsrouten im Roten Meer gefahren werden. Die kriegsbedingte Sperrung des Luftraums über der Ukraine führt zu einer Verlängerung der Flugzeit zwischen Europa und Asien. Der Flug von Tokyo nach London dauert nun drei Stunden länger und verursacht einen zusätzlichen CO2-Ausstoß von 18 Mio. t.

Wasserversorgung/Ernährungssicherheit
In Kriegen werden Wasserspeicher gezielt angegriffen, um Wasserknappheit herbeizuführen und die Wasserversorgung für Mensch und Landwirtschaft zu stören. So wurde im Ukraine-Krieg der Kachowka-Staudamm mit 18 Milliarden Kubikmeter Wasser gesprengt. Die Folge waren Mangel an sauberem Trinkwasser, eine verehrende Überschwemmung und Zerstörung von Agrarflächen. Im Krieg USA gegen Iran hat Iran entlang des Persischen Golfes Meerwasserentsalzungsanlagen zerstört. Dadurch wird Trink- und Brauchwasser verknappt, Oberflächen- und Grundwasser verseucht und der Bevölkerung ein Teil ihrer Ernährungsgrundlage entzogen. In ihrer Struktur zerstörte Böden können nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Akute Ernährungsunsicherheit zwingt Landwirte und Bevölkerung zur Flucht. Indirekt trägt dies zu erhöhten Treibhausgasemissionen bei.

Brände
Kriegshandlungen lösen häufig großflächige Brände aus. In der Ukraine machen Landschaftsbrände 23% des gesamten kriegsbedingten CO2 - Ausstoßes aus, also 71 Mio. t. Verwüstet wurden insgesamt 1,39 Mio. Hektar, was der Fläche von Schleswig-Holstein entspricht. Das ist weit mehr als vor dem Krieg (2021: 30 000 Hektar).

Fossile Energiequellen /Energieinfrastruktur
Durch direkte militärische Aktionen wurden in der Ukraine bis 5/2025 114 Mio. t CO2 ausgestoßen. Dabei entstanden etwa 90% durch den Verbrauch von Kraftstoffen, vor allem Diesel und Kerosin, für Flugzeuge, Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und die Nachschublogistik. Zusätzlich wurden in Kriegen auch gezielt Energieversorgungsanlagen angegriffen. So wurden im Ukraine- und im Irankrieg Treibstofflager, Raffinerien und Pipelines zerstört. Allein die Sprengung der Nordseepipeline erzeugte 7,5 Mio. t CO2-Äquivalente (Methan), mehr als die gesamten direkten Kriegshandlungen im Iran.

Wiederaufbau
Daten zum Wiederaufbau nach Kriegen sind ausschließlich Schätzungen für die Zukunft. Für die Ukraine und für Gaza variieren sie deutlich je nach Quelle. Der Wiederaufbau von 50 000 Gebäuden in Aleppo und Homs erzeugt schätzungsweise 11-19 Mio. t CO2-Äquivalente.  Der Wiederaufbau der Ukraine erzeugt schätzungsweise 23% der Gesamtemissionen, d.h. bislang ca. 74 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente. Verursacht wird dieser Ausstoß vor allem durch Zement-, Stahl- und Glasproduktion. Der Wiederaufbau von 436 000 zerstörten Wohnungen, ca. 3000 km Straßen, öffentlichen Gebäuden etc. in Gaza wird auf 33 Mio. t CO2-Äquivalente geschätzt.

Zerstörung von Ökosystemen

Die Beeinträchtigung von Ökosysteme geschieht auf vielfältige Weise, direkt z. B. über Bombardierung, Ausheben von Schützengräben, Verminung von Gelände, über Überschwemmungen (Sprengung des Kachowka- Staudammes) sowie großflächige Brände in Städten und Wäldern. Der Ausstoß an Treibhausgasen ist hier nicht immer mit der Kriegshandlung korreliert. Indirekte Folgen entstehen auch durch Reparatur- und Wiederaufbauarbeiten. Oft ist damit eine Ausdehnung von städtischen Gebieten und damit eine Versiegelung von Böden verbunden. Häufig werden Konflikte in Gebieten mit sensibler Biodiversität ausgetragen was zu einem erheblichen Verlust an Pflanzen- und Tierarten führt, ebenso wie zu einer Zerstörung der Mikroorganismengemeinschaften in Gewässern und Böden. Das Zusammenspiel von Pflanzen und Tieren ist gestört. Die Fixierung von CO2 dadurch auch. 

 

Unsere Forderungen: 

Die Emissionen durch Kriegsschäden müssen in die CO2-Bilanz der globalen Entwicklung einbezogen werden mit der Folge strengerer Gesetzgebung zur CO2-Reduktion. Selbst wenn alle Kriege sofort beendet werden, würden neben den schon erfolgten kriegsbedingten CO2- Emissionen die kriegsbedingten Klimaschäden weiter zunehmen. Deshalb ist die erste Priorität die Verhinderung von Kriegen. Zusätzlich muss auch unter dem Aspekt des Klimawandels weltweit abgerüstet werden. Aktuell geschieht jedoch das Gegenteil. Die Antikriegsbewegung hat bislang die enormen Klimafolgen von Kriegen nicht erkannt und sollte auch diese in ihre Argumentation einbeziehen.

geschrieben von Iris und Irene

Quellen: Dong, W., Ran, Q., Li. u, F. et al. Rising military spending jeopardizes climate targets. Nat Commun 16, 4766 (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-59877-x

Klerk, L. de (2026). Klimakosten des Ukraine-Krieges Treibhausgas-Emissionen bewaffneter Konflikte. Online: https://www.bpb.de/themen/kriege-konflikte/578107/klimakosten-des-ukraine-krieges/#node-content-title-0 

Ragoobur, D., Saran, S.A., Abolfathi, S. From conflict to climate crisis: How wars shape the future environment. J Environ Manage. 2026 May 15;408:129692. doi: 10.1016/j.jenvman.2026.129692. Epub 2026 May 20. PMID: 42160854.

Parkinson, S. & Cottrell, L. (2022). Estimating the Military’s Global Greenhouse Gas Emissions. Online:  https://www.sgr.org.uk/publications/estimating-military-s-global-greenhouse-gas-emissions