Einen Großteil des globalen Ausstoßes von CO2 (Kohlendioxid) nimmt das Meerwasser auf. Dies stellt damit einen hocheffektiven Mechanismus zur Abschwächung der Klimaerwärmung dar. Ohne diese CO2 – Aufnahme durch die Meere wäre schon heute die globale Erwärmung um ca. 1 °C höher.
Seit der Industriellen Revolution haben die Ozeane schon 30 % des von Menschen gemachen CO2 aufgenommen. Wenn die CO2-Emissionen weiter so kontinuierlich ansteigen werden wie erwartet, wird die Fähigkeit der Ozeane dieses aufzunehmen etwa ab dem Jahr 2050, spätestens jedoch um 2075, stagnieren. Folglich würde der Klimawandel noch schneller fortschreiten und Maßnahmen, die darauf abzielen CO2 zu verringern, müssten deutlich angezogen werden.
Allerdings führt die CO2– Aufnahme durch die Meere auch zu gravierenden Problemen. CO2 reagiert im Wasser. Es wird zum einen Kohlensäure gebildet und zum anderen die Kalkbildung vieler Meeresorganismen beeinträchtigt. Bei einer Temperaturerhöhung der Meere um 2 °C wird die Kalkbildung stark erschwert, bei einer Erhöhung um 3 °C ist eine sehr kritische Schwelle erreicht. Dann wird auch in schon vorhandenen Skeletten und Schalen eingebauter Kalk wieder abgebaut.
Wenn zu dieser Bedrohung durch Übersäuerung noch weitere Stressfaktoren wie Erwärmung oder Überdüngung, Sauerstoffverlust, sinkender Salzgehalt oder Verschmutzung des Wassers hinzukommen, geht die Anpassungsfähigkeit verloren. Durch den Mangel an Kalkbildung sind vor allem Muscheln, Schalentieren und Korallen sowohl im ausgewachsenen Stadium als auch während ihrer Entwicklung im Larvenstadium gestört. Ihr Wachstum

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Abb.: Nicht nur diese Flügelschnecke ist durch Übersäuerung bedroht, sondern in der Folge das gesamte Ökosystem Meer
ist eingeschränkt. Ihre Populationsgröße nimmt ab. Das Nahrungsnetz verändert sich. Fischen steht weniger Nahrung zur Verfügung. Ihre Populationsdichte nimmt ebenfalls ab. Gleichzeitig gibt es Organismen wie Algen oder Seegräser, die vom CO2-Überschuss profitieren. Im Extremfall könnten sie die Unterwasserwelt dominieren. Schon jetzt ist eine Abnahme des für die menschliche Ernährung wichtigen Fisch-, Krabben und Muschelbestandes sowie durch die Temperaturerhöhung ein Ausbleichen und Absterben von Korallen zu beobachten. Das bringt für Menschen, die im Fischfang oder in der Verarbeitung tätig sind Einkommensverluste und zwingt sie zur Veränderung ihrer Lebensweise. Besonders leidet die Bevölkerung in ärmeren Ländern, die auf Fisch als Hauptnahrungsquelle angewiesen ist. Betroffen ist auch der Tourismus. Ein Problem könnte ein verstärktes Wachstum von Blaualgen werden. Da sie Giftstoffe enthalten, ist das Baden bei ihrem Auftreten untersagt.
Zu den gut sichtbaren Effekten kommen noch weitere versteckte hinzu, so hat die Veränderung des Säuregrads auch Einfluss auf die akustischen Eigenschaften des Meerwassers. Wale, die sich beispielsweise durch ihren Gesang über mehrere Kilometer verständigen können, werden dadurch bereits gestört.
Was ist notwendig um die Versauerung der Meere zu stoppen?
Es ist gut, die einzelnen Auswirkungen auf lokaler Ebene z.B. national zu mindern. Die Ursachen müssen aber gleichzeitig global bekämpft werden.
An erster Stelle steht die Verminderung des CO2-Gehalts der Atmosphäre und damit der Eintrag von CO2 in die Ozeane. Zusätzlich müssen die weiteren Stressfaktoren wie Erwärmung, Überdüngung, Sauerstoffmangel, sinkender Salzgehalt und weitere Verschmutzungen des Wassers gestoppt werden.
Eine grundlegende Veränderung des weltweiten ökonomischen Systems ist zwingend notwendig.
Es braucht Schritte von der aktuellen Überproduktion mit entsprechender Umweltzerstörung hin zu einer Ressourcen - schonenden Ökonomie, die auf Recycling und einer Null-Wachstumswirtschaft beruht. Eine entscheidende Schlüsselgröße ist dabei die drastische Reduzierung des CO2-Gehaltes der Atmosphäre.
geschrieben von Irene und Iris
Quellen: Dem Ozeanwandel auf der Spur / BIOACID–Biologische Auswirkungen, Bundesministerium für Bildung und Forschung https://oceanrep.geomar.de/id/eprint/40052/1/BIOACID_broschuere_D_web.pdf
https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/meere/nutzung-belastungen/meere-unter-druck-ozeanversauerung-durch-co2#auch-die-temperatur-spielt-eine-rolle
Martins Medeiros IP, Souza MM. Acid times in physiology: A systematic review of the effects of ocean acidification on calcifying invertebrates. Environ Res. 2023 Aug 15;231(Pt 1):116019. doi: 10.1016/j.envres.2023.116019. Epub 2023 Apr 28. PMID: 37119846a
Sverker C. Jagers , Simon Matti, Anne-Sophie Cre´pin, David Langlet, Jonathan N. Havenhand: Societal causes of, and responses to, ocean acidification, Max Troel, Ambio 2019, 48:816–830, https://doi.org/10.1007/s13280-018-1103-2
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