Kein anderes Land hat einen so großen Teil seines Territoriums mit Eukalyptus bewachsen wie Portugal. Das kleine Land Portugal liegt weltweit an 5. Stelle. Jährlich sind in Portugal Dutzende von Toten aufgrund von Eukalyptuswaldbränden zu beklagen. 2021 starben durch die Feuer 35 Menschen, 2022 41 Personen, 2023 waren es 28, 2024 35 und im letzten Jahr 37. Den traurigen Höhepunkt erlebte Portugal 2017: Damals verbrannten 115 Personen, oft Familien auf der Flucht vor dem Feuer, in den Eukalyptusplantagen in ihren Autos.

Weitaus mehr Menschen sterben allerdings durch indirekte Folgen der Waldbrände. Also dem Rauch, der manchmal in weit entlegene Weltgegenden weht und Herz- und Lungenerkrankungen verursachen kann.

Die schweren Waldbrände, die im August 2025 große Teile Portugals und Spaniens verwüstet haben, wirken sich nicht nur regional aus – sie bedrohen laut der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) die Luftqualität in ganz Europa. So Lorenzo Labrador, leitender Wissenschaftler der UN-Klimaagentur, bei der Vorstellung des aktuellen WMO-Luftqualitätsberichts. Die Brände, die etwa 1 % der iberischen Halbinsel betroffen haben, setzten enorme Mengen an Schadstoffen frei – insbesondere Feinstaubpartikel mit weniger als 2,5 Mikrometern Durchmesser (PM2,5), die als besonders gesundheitsschädlich gelten. Diese winzigen Partikel gelangen mühelos in die Lunge und sind mit Krankheiten wie Asthma und Herz-Kreislauf-Leiden verbunden.“ (Journal „Entdecken Sie Algarve“, 08. September 2025)

Auch wenn die genannten Probleme seit Jahrzehnten bekannt sind, so bedecken weiterhin kilometerlange Eukalyptusplantagen fast 10% der Oberfläche Kontinentalportugals, meint, etwa 900.000 Hektar oder 9.000 qkm (1,5-mal der Schwarzwald), mitunter durch EU – Fonds gefördert. Die größten Anbauflächen befinden sich in Zentralportugal, wo sich von Lissabon aus im Westen ein breites Band bis in den westlichen Norden hinzieht. Diese vorherrschende Lage beruht auf einer Logik der Anbau- und Verarbeitungsoptimierung, da sie sich im Einzugsgebiet der Zellstofffabriken von Altri, Navigator Company u.a. befindet. Die können nur dort produzieren, wo viel Wasser ist, z.B. am Tejo, an der Sado-Mündung bei Setúbal, am Mondego und an der Mondegomündung in den Atlantik usw. Diese geografische Lage ist für den Sektor unerlässlich, da die Zellstoffproduktion große Wassermengen für den Herstellungsprozess benötigt und Wasserwege für die Ableitung der Abwasser erforderlich sind. (Die Zellstoffindustrie ist global der drittgrößte Wasserverbraucher). Insgesamt gibt es in Portugal sechs Zellstofffabriken und etwa 45 Papierfabriken. Auch an der Atlantikseite des Alentejo und Algarve (südliches Portugal) erstrecken sich kilometerlange Anbauflächen von Eukalyptus. 

Die EU hat in der Vergangenheit die Aufforstung in den Mittelmeerländern gefördert. Die Aufforstungsgelder wurden oft gezahlt, ohne dass man einer genaueren Prüfung unterzog, was da tatsächlich angepflanzt wurde. Jetzt sind die Eukalyptus- (und Pinien-) Plantagen da und breiten sich aus.

Seit einigen Jahren sind „im Prinzip“ in Portugal neue Eukalyptusanpflanzungen verboten. Ja, aber… es gibt Ausnahmen: z.B. kann dort, wo in den vergangenen 10 Jahren Eukalyptus stand, wieder neu aufgeforstet werden, selbstverständlich nur mit Genehmigung des Instituts für Naturschutz und Forstwirtschaft (ICNF). Bei Zuwiderhandlung kann es zu Geldstrafen und zur Entfernung der Neupflanzungen führen. Eine weitere Regelung führt aus, dass dort, wo aus besonders sensiblen Gebieten Eukalyptus entfernt wurde, für jeden Hektar ein halber Ha neu gepflanzt werden darf. Darüber hinaus erlauben die bestehenden Gesetze die Anpflanzung von Eukalyptusbäumen, sofern diese angrenzend an bereits bestehenden Plantagen erfolgt. Etwa 40% der Eukalyptusanpflanzungen sind im Besitz kleiner land- oder forstwirtschaftlicher Unternehmen. Diese verkaufen alle 7-9 Jahre ihr Holz an die Großunternehmen, bzw. bepflanzen Eukalyptus im Auftrag dieser.

Doch existiert ein bekanntes gesellschafts-politisches Problem: Die gravierende Entvölkerung des Landesinneren und die Aufgabe der Land-, Forst- und Weidewirtschaft in einem nie dagewesenen Umfang. Das erleichtert die natürliche (und menschengemachte) unkontrollierte Ausbreitung des Eukalyptus über die für die Anpflanzung erlaubten Flächen hinaus. 

Der auf Umweltrecht spezialisierte José Trincão Marques: „Wir haben im Wesentlichen Kleinbauernhöfe im Zentrum und im Norden des Landes, und jeder pflanzte seine eigenen Eukalyptusbäume, und der Eukalyptus breitet sich mit seinen Samen und Wurzeln aus. Das Problem ist, dass dieser Wald dann nicht gepflegt wird. Wenn es eine Waldbewirtschaftung gäbe, würde das Problem (der dauernden Brände) in dieser Schwere nicht mehr bestehen“. (https://mediotejo.net/florestas-falta-musculo-e-fiscalizacao-para-travar-multiplicacao-de-eucaliptos-especialista/; 16 de Julho, 2022)

Die portugiesische Politik hat eigentlich das Ziel ausgegeben, bis zum Jahr 2030 die Eukalyptusfläche auf den Stand von 2010 (812.000 ha im Vergleich zu ca. 900.000 ha in 2026) zu reduzieren. Man weiß natürlich, dass derartige Regelungen und Gesetze nur etwas wert sind, wenn es ausreichend Kontrollmöglichkeiten gibt. Doch dass diese nur sehr ungenügend vorhanden sind und in manchen Fällen auch nicht genutzt werden, wird von Umweltbehörden und -initiativen, Wissenschaftlern, UmweltschützerInnen, lokalen PolitikerInnen, einigen Medien immer wieder öffentlich beklagt – jedoch, wiederum nicht überraschend - nicht mit durchschlagenden Erfolgen: Die Fläche wächst.

Georg Franzky Cabral 

Waldbrände: In Portugal und anderswo.