Julia Egenhoff (Berlin/Oldenburg) referiert über marxistisch-feministische Perspektiven

am 18.01.2026, 11.00 Uhr, Donnerschweerstr. 55


Zentral für den Diskurs über die gegenwärtige Transformationen von Arbeit und Kapital in der Netzwerkgesellschaft...

... ist der von Antonio Negri und Michael Hardt geprägte Begriff der immateriellen Arbeit. Er zielt darauf ab, Tätigkeiten zu erfassen, die Wissen, Kommunikation, Affekte und soziale Kooperation hervorbringen und zunehmend zur hegemonialen Produktivkraft im zeitgenössischen Kapitalismus werden. Zugleich ist dieser Ansatz eng mit politischen Hoffnungen verbunden: der Annahme eines immanenten Überschreitens kapitalistischer Verhältnisse durch neue Formen kooperativer Produktion. 
Die geplante Diskussion nimmt diesen Arbeitsbegriff kritisch in den Blick.

Ausgehend von zentralen Texten von Negri und Hardt soll gefragt werden, inwiefern der Begriff der immateriellen Arbeit analytisch tragfähig ist und wo er problematische Verschiebungen innerhalb der marxistischen Theorie vornimmt. Kritiker*innen haben darauf hingewiesen, dass Negri und Hardt marxistische Kategorien zwar rhetorisch aufgreifen, sie jedoch zugleich entkernen: Arbeit werde von ihrem Zusammenhang mit Wert, Ausbeutung und Klassenverhältnissen gelöst und stattdessen ontologisiert.
Vor diesem Hintergrund wollen wir diskutieren, welche theoretischen und politischen Implikationen mit dem Begriff der immateriellen Arbeit verbunden sind. Trägt er zu einem besseren Verständnis gegenwärtiger Arbeits- und Lebensverhältnisse bei oder verstellt er den Blick auf fortbestehende Formen von Ausbeutung, Prekarisierung und geschlechtlicher wie globaler Arbeitsteilung?