1. Bedeutung der deutschen Automobilindustrie
In Deutschland hängen 9.8% der gesamten deutschen Bruttowertschöpfung und mehr als 7% aller Arbeitsplätze an der Autoindustrie.[1] Bis 2017 lag die Pkw-Produktion noch über dem Wert von 1999, seit 2018 sinkt sie.
2. Produziert wird für wen?
In den letzten 20 Jahren stammten zwischen 70 und 80% des Weltmarktes für Premiumautomobile aus Deutschland. Dementsprechend werden in Deutschland insgesamt 96% der Oberklasse- Modelle auch in Deutschland gebaut. In der Mittelklasse sind um die 50 %. Diese einseitige Ausrichtung führt dazu, dass etwa 75 bis 80% der deutschen Pkw-Produktion exportiert wird.
3. Und für wen wird nicht produziert (jedenfalls nicht in Deutschland)?
Fahrzeuge unterhalb der Kompaktklasse machen hingegen in der deutschen Produktion nur 13% aus. Ein Ausblick: Der VW Elektro-Kleinwagen ID1 soll 2027 auf den Markt kommen, gebaut wird er in Portugal. Der VW E-Polo soll 2026 auf den Markt kommen, gebaut wird er in Spanien.
4. Wann kam der Bruch des Exportmodells teurer Autos und was bedeutet das für die Beschäftigten?
447 790 Beschäftigte waren 2019 in der Herstellung von Produkten beschäftigt, die im Zusammenhang mit Verbrenner-Antrieben stehen. [2] Das war schon gegenüber 2015 ein Rückgang um rund 2.0% (d.h. Jahre vor der Ampelregierung, einfach durch Technologieveränderung). Die Umstellung der Automobilindustrie auf E- Mobilität werde bis 2025 - so wurde 2021 immer noch vor der Ampelregierung geschätzt - zwischen 178000 und 221000 Beschäftigte den Arbeitsplatz kosten. Der tatsächliche Arbeitsplatzverlust lag nur etwas drüber, bis Ende 2025 bei 245000 Jobs. Bis 2030 wurde 2021 ein Rückgang auf zwischen 215000 und 289000 Beschäftigte erwartet, was eintreten dürfte.
5. Welche Berufsgruppen trifft es besonders hart?
Die Hauptbetroffenen vom Beschäftigungsverlust werden die Personen sein, die in der Betriebstechnik, Metallbau und Metallbearbeitung, technischen Produktionsplanung und Logistik arbeiten, also zu ¾ Männer im Alter ab ca. 35 Jahren.[3]
Der Bereich Forschung und Entwicklung wird vermutlich einen Beschäftigungsaufbau erleben. Die Auswirkung der KI im engeren Sinne des Wortes sind allerdings in diesen Zahlen noch nicht berücksichtigt.
6. Was tut die Politik?
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fordert längere Arbeitszeiten und flexibleren Kündigungsschutz für mehr Wachstum. Sowie gemeinsam mit rechter Regierung Italiens eine sofortige Änderung der Gesetzgebung zum Verbrenner-Aus.
Längere tägliche Arbeitszeiten, damit noch mehr entlassen werden können?
Flexibleren Kündigungsschutz, damit es leichter wird zu entlassen?
Verbrenner-Aus, damit die Erderwärmung beschleunigt wird und den Managern und Ingenieuren der deutschen Automobilindustrie nichts Innovatives mehr einfallen muss?
7. Was tut leider ein Teil der Beschäftigten?
Insgesamt lassen sich in Deutschland 117 besonders Landkreise oder kreisfreie Städte (91 West; 26 Ost) identifizieren, die hohe Beschäftigungsquote in energieintensiven Branchen oder der Automobilindustrie aufweisen. 2021 lag das AfD-Wahlergebnis in diesen Regionen schon 2.2 Prozentpunkte über dem der übrigen, bei der Bundestagswahl 2025 betrug der Unterschied bereits 3.7 Prozentpunkte.[4]
8. Und was wäre stattdessen zu tun?
A. Mobilität und Autos von den Bedürfnissen aus denken!
a. Zügiger Ausbau und technologische Weiterentwicklung des Nah- und Fernverkehrs.
b. Einfrieren des Verkaufspreis für ein Klein- oder Mittelklasse Auto auf den Wert von 2015, damit sie für alle erschwinglich werden.
c. Sofortige hohe Besteuerung des Baus von Autos, die nicht entsprechend klein und e-mobil sind.
B. Neue Beschäftigung dort schaffen, wo andere Bedürfnisse warten!
Beschäftigungsperspektive für die bedrohten ArbeitnehmerInnen in der Automobilindustrie beim Bau, Ausbau und Betrieb des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs.
C. Politische Organisation nicht nur der Beschäftigten der Automobilindustrie
a. Und zwar für Freiheit, Gleichheit, Fürsorge und Kooperation statt Ausgrenzung, Verelendung und Unfreiheit derer, die sich am wenigsten wehren können.
b. Und durchaus auch ganz praktisch: in Genossenschaften, die zusammen Strom erzeugen (z.B. per Photovoltaik), speichern (in gemeinsamen Akkus) und teilen (durch kostenfreie Nutzung der Stromnetze), so dass Stromkosten (u.a. für E-Mobilität) keine Rolle mehr spielen. Für alle!
[1] diese und die folgenden Zahlen stammen aus ifo Schnelldienst 5 / 2021 74. Jahrgang 12. Mai 2021
[2] diese Zahlen stammen aus der Prognos-Studie: Beschäftigungsperspektiven in der Automobilindustrie, 2024
[3] diese Zahlen stammen aus der Prognos-Studie: Beschäftigungsperspektiven in der Automobilindustrie, 2024
[4] Quelle: Institut für Wirtschaft Kurzbericht 62/2025
geschrieben von Helmuth
ALSO
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