Multinationale Konzerne verlegen naturzerstörende Produktion in Länder der Peripherie mit niedrigeren gesetzlichen Umweltvorschriften. Ihre Verhandlungsmacht ermöglicht es ihnen, dort bestehende Umweltvorschriften zusätzlich zu verringern oder ganz zu umgehen, was dort heimischen Unternehmen kaum möglich ist, einfach weil sie kleiner sind und sich nicht zurückziehen können.

Dieser ökologische Imperialismus wurde gerade in einer neuen Studie für Afrika untersucht. Die Studie verwendete dafür einen Datensatz der Jahre 2007–2018, der für ganz Afrika Unternehmensdaten und satellitenbasierte mit hoher räumlicher Auflösung zur Erfassung von Umweltauswirkungen kombinierte.

Das Ergebnis zeigte, dass die Ansiedlung von multinationalen Unternehmen zu erheblichen Umweltschäden geführt hat, darunter verstärkte Abholzung von Wäldern, Verluste in der Vielfalt von Nutzpflanzen (industrielle Landwirtschaft) und höhere Treibhausgasemissionen. Die schwerwiegendsten Umweltauswirkungen fanden sich in der Landwirtschaft, Bergbau, Forstwirtschaft und die zweitschwersten bei Fertigung und Bauwesen. Ansiedlungen im Dienstleistungssektor hatten einen viel kleineren und indirekteren Effekt auf die Umwelt. 

Die negativen Umweltfolgen waren dabei deutlich höher als die, die durch die Ansiedlung von inländischen Unternehmen verursacht werden. Jede zusätzliche Ansiedlung eines multinationalen Konzerns bzw. einer weiteren solchen Zweigstelle 

·         erhöhte die Abholzung um 24 % (im Vergleich zum normalen Waldverlust),

·         verringerte die Waldbedeckung um 0,23 % und 

·         senkte die Vielfalt landwirtschaftlicher Ernte in den betroffenen Gebieten um 0,6 %. 

Zwar löste die Ansiedlung multinationaler Konzerne auch einen größeren ökonomischen Wachstumseffekt aus. Aber selbst unter Berücksichtigung der Unternehmensgröße und des Wirtschaftssektors der Ansiedlung (Landwirtschaft, Bergbau, produktives Gewerbe, Dienstleistung) blieb es bei einem zusätzlichen Umweltschaden: So war zum Beispiel der Effekt von Ansiedlungen multinationaler Konzerne auf die Waldbedeckung 164-mal größer als der von inländischen Unternehmen und immer noch 60-mal größer, wenn man den größeren ökonomischen Umsatz mit einberechnet.

Die Studie schätzt die wirtschaftlichen Folgen der schlechteren CO₂-Bilanz wurden auf etwa 693 Millionen US-Dollar, was den lokalen ökonomischen Gewinn von etwa 106 Millionen US-Dollar deutlich überstieg. 

Kommentar: Die geleichzeitige „Endlagerung“ von Plastikmüll, Elektronikschrott und anderen Abfälle aus den industrialisierten Ländern wurde in dieser Analyse nicht berücksichtigt, da sie kein offizielles Geschäftsmodell von multinationalen Konzernen ist.

 

Geschrieben von Helmuth

 

Quelle: Frederik Noack, Dominic Rohner & Tommaso Sonno: The environmental impact of multinational firms in Africa. Nature climate change. https://doi.org/10.1038/s41558-026-02637-6