Eine der global am stärksten zu spürenden Folgen des Klimawandels ist die Erwärmung der Erde. Über verschiedene internationale Abkommen und Maßnahmen wird versucht die Erwärmung zu begrenzen. Jedoch ungeachtet aller Maßnahmen steigt die weltweite Temperatur deutlich (Abb.1). Regionen wie Südosteuropa, Nordafrika und der Nahe Osten sind häufig von ungewöhnlich starken Hitzewellen betroffen. 

Abb.1: Weltweite Temperaturerhöhung seit 1940 (Quelle:Copernicus-Service)

Eine der zahlreichen Auswirkungen solcher Hitzewellen sind hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle. Selbst für Deutschland mit seinem „gemäßigten Klima“ hat das Robert Koch Institut für den Sommer 2026 mehr als 16 000 hitzebedingte Todesfälle ermittelt. 

Während die Notwendigkeit von Schutzmaßnahmen gegen die tägliche Hitze langsam in den Fokus der Regierungen rückt, findet die Bedeutung der Hitzenächte bislang in der öffentlichen und politischen Diskussion kaum Beachtung, obwohl durch Gesundheitsstudien die Folgen nächtlicher Hitze zunehmend erkannt werden. Von nächtlicher Hitze betroffen sind insbesondere Stadtbewohner, da nachts Asphalt und Beton die gespeicherte Hitze abgeben und somit ein deutliches Abkühlen verhindert wird. 

Warum sind Hitzenächte so problematisch?

Nachts weiten sich die Blutgefäße unter der Haut, die Körpertemperatur des Menschen sinkt um ca. 1 Grad. Die Aktivität der meisten inneren Organe verringert sich. Schlaf ermöglicht Körper und Gedächtnis sowie dem Herz-Kreislaufsystem sich zu erholen. Durch Hitze insbesondere in Kombination mit Feuchtigkeit wird der Abkühlungsprozess erschwert und somit der Erholungsprozess gestört. Die Folgen sind vielfältig u.a. allgemeine Belastung der Herz- Kreislaufaktivität, Müdigkeit und verringerte Fähigkeit sich zu konzentrieren, sowie eine Schwächung des Immunsystems. Je länger eine Hitzewelle dauert, desto stärker werden diese Effekte. Besonders ältere Menschen, deren Herz- Kreislaufsystem bereits geschwächt ist oder Menschen mit Vorerkrankungen wie etwa Diabetes sind beeinträchtigt. Verschärfend kommt hinzu, dass wir während des Schlafes keine Flüssigkeit zu uns nehmen und daher leichter dehydrieren als am Tag. Bei alten Menschen ist dieser Effekt häufig stark, da sie abends wenig trinken, um nächtliche Toilettengänge zu vermeiden. 

Hitze verstärkt einen ganzen Fächer an Erkrankungen. Dazu gehören auch Schlaganfälle und Erkrankungen der Atemwege wie etwa Asthma, COPT (Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung) oder Grippe. Untersuchungen der Universität Augsburg ergaben, dass im Zeitraum von 2006 bis 2019 die Anzahl und Schwere von Grippeerkrankungen mit steigender Temperatur und deren Dauer deutlich zunahm. Eine Studie zum Zusammenhang von nächtlicher Hitze und Schlaganfällen (ebenfalls am Klinikum Augsburg) kam zu ähnlichen Ergebnissen. Im Zeitraum von 2006 bis 2020 stieg die Zahl an Schlaganfällen deutlich mit Zunahme der nächtlichen Temperaturen.  

Der negative Effekt nächtlicher Hitze auf den Menschen ist ein globales Phänomen. Vergleiche zwischen Hitzewellen ohne und mit Hitzenächten in Japan, Indien und Südeuropa zeigten eine deutliche Erhöhung der Todesfälle durch heiße Nächte. Besonders ärmere Schichten sind davon betroffen, da sie keine Schutzmöglichkeiten haben. 

Was ist zu tun?

Theoretisch könnten Klimaanlagen – soweit finanzierbar -  die nächsten Hitzewellen erträglicher machen. Praktisch geraten wir dadurch aber in einen Teufelskreis, da Klimaanlagen wiederum die Erderwärmung beschleunigen. Dies ist ein Beispiel dafür, dass bei allen Klimaanpassungsmaßnahmen immer überdacht werden muss, ob diese die Bemühungen zur Abmilderung des Klimawandels konterkarieren. Pflanzen von Bäumen und Begrünen von Städten genügt nicht. Es bedarf einer veränderten Wirtschaftsform, die die Erderwärmung verlangsamt, bzw. stoppt.  

Geschrieben von Irene und Lilly

Quelle: Cheng He, Susanne Breitner, Siqi Zhang, Veronika Huber, Markus Naumann, Claudia Traidl-Hoffmann, Gertrud Hammel, Annette Peters, Michael Ertl, Alexandra Schneider, Nocturnal heat exposure and stroke risk, European Heart Journal, Volume 45, Issue 24, 21 June 2024, Pages 2158–2166, https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae277

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