Monia Masalha und Kollegen (2026) untersuchen in ihrer Studie, ob die soziale Umwelt auch einen Effekt auf einfache körperliche Prozesse hat. Untersucht werden ein Zuckerschock in der Nahrungsaufnahme, die Verarbeitung von Raumkälte, die Verarbeitung von leichten Schmerzreizen.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass die Nähe zu einem engen sozialen Partner die Kontrolle physiologischer Prozesse deutlich verbessern kann. Bei derselben Belastung verlaufen die physiologischen Kontrollprozesse schneller und besser in Anwesenheit eines engen Partners als wenn diese alleine erfahren werden. Z.B. Abbau der Überzuckerung: Nach dem Verzehr einer entsprechenden Mahlzeit zeigten Erwachsene in Anwesenheit ihres Lebenspartners niedrigere Blutzuckerwerte und eine schnellere Erholung als allein. Die soziale Situation reduzierte die kumulative Glukosereaktion um etwa 14,6 % bei den Teilnehmern je nach sozialer Situation und um 23,9 % zwischen Gruppen, wenn die eine alleine und die andere sozial dem Stress ausgesetzt waren (siehe die Abbildung).

Masalha et al., Sci. Adv. 12, eaeg4937 (2026) 23 September 2026

Ähnliche Unterschiede zeigten sich bei den anderen oben aufgezählten Belastungen. Selbst bei Säuglingen ist das schon der Fall: Bei einem bedrohlichen Geräusch zeigen diese eine geringere sympathische Erregung auf, wenn ihre Mutter anwesend ist.

Marx und Engels schrieben 1845: „Diese Summe von Produktionskräften, Kapitalien und sozialen Verkehrsformen, die jedes Individuum und jede Generation als etwas Gegebenes vorfindet, ist der reale Grund dessen, was sich die Philosophen als 'Substanz' und 'Wesen des Menschen' vorgestellt, was sie apotheosiert und bekämpft haben“.

Sie konnten damals nicht wissen, dass dies, jedenfalls was den konkreten Verlauf angeht, selbst für einfache körperliche Prozesse gilt. Oder anders ausgedrückt:

Das menschliche Wesen ist auch in der physiologischen Reaktion ein Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse

Quelle

Geschrieben von Helmuth